Rückblick auf die Info-Veranstaltung zur SBA Invest GmbH (22.01.2024)

Nun war er also gekommen. Der Tag, auf den viele FSV-Fans und Mitglieder nach den mittlerweile 1,5 Monaten Debatte lange gewartet hatten. Der vom Verein als Symbolbild für Transparenz bezeichnete Infoabend über die Pläne zur Eigenkapitalerhöhung stand an.

Bereits eine Stunde vor Beginn trafen sich einige Bündnisnahe Fans, um gemeinsam zum Stadion zu laufen. Die Zusammensetzung dieser Gruppe war symbolisch für das, was sich in den letzten Wochen entwickelt hatte: Fans unterschiedlichster Altersgruppe und aus allen Bereichen des Stadions waren vertreten. Man muss das einfach noch einmal betonen, weil die Arbeit im Rahmen des Bündnisses gezeigt hat, dass wir doch alle nicht so verschieden sind, wie wir vielleicht mal dachten. Wir haben viele Ziele und Anliegen, gerade in Bezug auf ein lebendiges und kritisches Vereinsleben, welche wir alle teilen. Darauf können und müssen wir in Zukunft aufbauen. Und darauf können wir als FSV Frankfurt nach den Höhen und Tiefen der letzten Jahre stolz sein.

Zum Wesentlichen: Die Räumlichkeiten in der Haupttribüne unseres Stadions waren gut besucht, etwa 80-90 Mitglieder waren gekommen. Das sind mehr (wenn man die Spieler, welche bei den JHV dabei sind, außen vorlässt), als es bei mancher Jahreshauptversammlung der Fall gewesen ist und zeigt, wie viele diese Thematik aktuell bewegt. Und zwar so sehr, dass man bereit war, knappe dreieinhalb Stunden bis kurz vor 23 Uhr an einem Montagabend zu diskutieren und sich auszutauschen. Und es lag bestimmt nicht an der vorangeschrittenen Zeit, dass Präsident Michael Görner bei Beendigung des Infoabends nur mit mäßigem Applaus bedacht wurde, wie auch in der Presse (FNP, 24.01.2024) nachzulesen ist. Vielmehr war eine Mischung aus Enttäuschung, Fassungslosigkeit und Wut dafür verantwortlich. Aber der Reihe nach. Görner eröffnete die Veranstaltung mit einem ca. 1-stündigen Monolog über die aktuelle Situation des Vereins und den Finanzen der GmbH. Sicher für weniger informierte Mitglieder nicht uninteressant, aber es war deutlich zu bemerken, dass ein negatives Szenario skizziert wurde, welches Angstgefühle wecken sollte, um die Notwendigkeit einer Eigenkapitalerhöhung zu begründen.

Warum man das so sagen kann? Knapp drei Monate vorher schien bei den Finanzberichten auf der Jahreshauptversammlung noch alles nach Plan und im Rahmen zu laufen. Wenn man nicht aufmerksam bei beiden Veranstaltungen zugehört hatte, könnte man meinen, es wäre um einen ganz anderen Regionalligisten gegangen. Uns ist bewusst, dass unsere finanzielle Situation nicht rosig ist und wir jeden Cent in Bezug auf den Kader oder andere Investitionen umdrehen müssen. Das würde wohl auch nie ein FSV-Fan bezweifeln. Jedoch war die Darstellung des Präsidiums hier nicht aufrichtig: Denn angeblich gehe es bei der Finanzspritze im Rahmen des Investments durch die SBA nur um Investitionen, die den Kader nicht betreffen würden. Es gehe eher um Investitionen in Anschaffungen, wie z.B. einer LED-Werbebande, die den Verein langfristig mehr Gelder sichern würden. Dementsprechend sei der sportliche Erfolg insofern zunächst zweitrangig, da man sich organisch entwickeln wolle, um sich im oberen Drittel der Regionalliga langfristig zu etablieren. Das steht im krassen Widerspruch zu den Aussagen des Geschäftsführers Robert Lempka, der noch beim Fan-Abend im Dezember von der dritten Liga im Jahr 2026 sprach. Als dieser Widerspruch bei einem der ersten Redebeiträge aus der Mitgliederschaft angesprochen wurde, konnte man nervöse Blicke zwischen Görner und Lempka wahrnehmen. Letzterer war zwar anwesend, äußerte sich an diesem Abend aber kein einziges Mal, obwohl er die Schlüsselfigur des Vorhabens SBA ist. Auch zum Ende der Veranstaltung kamen plötzlich wieder Aussagen von Görner, die betonten, dass man natürlich die höheren Ligen anstrebe.

Generell ließ die viel beschworene Transparenz zu wünschen übrig. Kein Infomaterial, Grafiken oder sonstiges wurde zu Verfügung gestellt. Der Monolog Görners stellte die einzige Informationsquelle dar. Auf diesen Umstand angesprochen gab es lediglich die Antwort, dass der Verwaltungsrat ja alle relevanten Informationen in voller Ausführlichkeit erhalten habe. Und der müsse ja schließlich am Ende die Entscheidung treffen, nicht die Mitglieder. Dass die Forderung nach Unterlagen oder mehr Struktur hierbei keinerlei Vertragsunterlagen meinte, sondern beispielweise eine Skizzierung der konkreten Konsequenzen für den Verein, schien Görner nicht verstanden zu haben. Das war nicht die einzige Kritik an diesem Abend. Es gab keine einzige Wortmeldung, die sich positiv zur SBA-Invest und der geplanten Eigenkapitalerhöhung äußerte. Die weiteren Redebeiträge bestanden entweder aus Verständnisfragen oder Kritik. Dabei wurden auch sämtliche Argumente aufgezählt, die wir auch im Rahmen unserer Bündnisarbeit öffentlich gemacht haben: Die mangelnde Transparenz, widersprüchliche Aussagen, der Interessenkonflikt der Beteiligten, sowie die Gefahren eines solchen Vorgehens. Diese sind durchaus vielfältig und wurden auch so adressiert. Da wäre zum einen die spätere Verpflichtung, Gewinnausschüttungen an die Investoren zu zahlen. Diese Mittel fehlen dem FSV in der Zukunft, sollte man in den nächsten 15 Jahren doch noch einmal sportlich erfolgreich sein. Auch die Tatsache, dass der FSV spätere Anteilsverkäufe der SBA an ungewünschte Investoren nicht verhindern könnte, wiegt schwer.

Viele Wortmeldungen wendeten sich auch ganz klar an den Verwaltungsrat, mit der Bitte, dem Ganzen nicht zuzustimmen. Und als die Stimmung dann endgültig zu Kippen drohte, wurde es persönlich. Görner erzählte, was er bereits alles für dem Verein getan hatte und das andere in seiner Position ganz anders gehandelt hätten. Das niemand sein vergangenes Engagement und das Übernehmen eines insolventen Vereins nach dem Abstieg in die Regionalliga in Frage stellte, spielte dabei keine Rolle. Spätestens hier war es seitens des Vereins keine Infoveranstaltung mehr, sondern eine persönliche Rechtfertigungsveranstaltung. Zu diesem Zeitpunkt hatte dann auch der diplomatische Beitrag unseres ehemaligen Präsidenten Carlo Kiefers, die Entscheidung zu vertagen und eine bessere Informationsgrundlage zu schaffen, keinen Erfolg mehr. Görner betonte erneut, dass der Verwaltungsrat ausreichend informiert sei und er keinen Grund sehe, die Entscheidung zu vertagen. Man müsse jetzt schnell handeln. Schließlich wäre ein Abstieg in die Oberliga fatal. Was Investitionen in beispielsweise eine LED-Wand mit dem sportlichen Erfolg in der Rückrunde einer Saison, mit einem bis dato teuersten Kader in den letzten Jahren, zu tun haben, konnte er aber nicht sagen. Mehrfach wurde auch auf Rückfragen nach den möglichen Investoren gefragt. Hier kam die Antwort, dass diese Größtenteils noch gesucht werden müssen. Dann wurde aber wiederum zur Eile gemahnt, damit Investoren nicht abspringen. Widersprüche wo man nur hinsieht…

Was bleibt nun? Es wird sich nichts am weiteren Vorgehen ändern und wir können nur hoffen, dass die diversen Appelle an den Verwaltungsrat gefruchtet haben. Schlauer sind wir aber erst am kommenden Montag. Insofern überwog dann teilweise doch die Enttäuschung darüber, dies nicht mehr ändern zu können. Gleichzeitig können wir aber auch stolz darauf sein, den Abend geprägt zu haben und unseren Unmut und unsere Sorgen, gemeinsam mit anderen Mitgliedern, kundgetan zu haben. Und wie gesagt: Keine einzige Person äußerte sich positiv. Stattdessen wurden kritische Beiträge oft auch mit abschätzigen Gesten und teilweise auch Aussagen kommentiert. Das wirkte nicht professionell und hat gezeigt, dass wir mit unserer Kritik durchaus ins Mark getroffen haben. Wir sind stolz auf das, was wir bisher erreicht haben. Wir haben den Grundstein gelegt für ein breiteres Vereinsleben, was Michael Görner so oft als „tot“ bezeichnet. Wir rufen den Verwaltungsrat dazu auf, aufgrund der großen Unzufriedenheit innerhalb der Vereinsbasis, die an diesem Abend sehr deutlich wurde, gegen das Vorhaben des Präsidiums abzustimmen.

Bündnis für einen FSV Frankfurt aus eigner Kraft, 27.01.2024